Im Augenblick darf trotzdem nicht verkannt werden, daß die Hauptlast der Haager Lösung die Arbeiterklasse aller Länder und zunächst die reichsdeutsche Arbeiterschaft zu tragen hat Durch das bolschewistische Verbrechen besonders in ihrer Schlagkraft auf das Härteste getroffen, wird sie durch schwere Robot unter den schwersten Bedingungen die Mittel aufzubringen haben, was durch die neuen Reparationsabmachungen Deutschland auferlegt ist. Aber wir haben Hoffnung, daß gerade diese Tatsache die Mahnung an die deutsche Arbeiterklasse sein wird, sich fest zusammenzuschließen und durch die Zusammenfassung aller Kräfte und durch unnachsichtlich en Kampf herbeizuführen, daß die ihr aufgebürdeten Lasten auf die tragfähigeren Schultern der Kapitalistenklasse überwälzt werden. Die deutsche Arbeiterklasse wird dies umso eher vollbringen können, je rascher und entschiedener es ihr gelingt, den bolschewistischen Schädigern der Arbeiterbewegung das Handwerk zu legen, sich auf den internationalen sozialistischen Klassenkampf und die Auseinandersetzung mit dem internationalen Kapitalismus einzustellen.
Aber wenn wir schon vom Haag sprechen, möchte ich gleich bei diesem Anla sse ewisse Folgerungen ziehen, weil ich später auf sie zurückkommen werde. Was ist und was muß die Folge vom Haag sein? Wir zweifeln nicht daran, daß die Mitteilungen des Herrn Ministers in seinem Exposé über die Neugestaltung Europas nach dem Haag eine andere Athmosphäre schaffen wird - das denken wir, nicht nur, sondern das hoffen und wünschen wir sehnlich st. Nun ist die nächste große Frage, die in Europa zu bereinigen ist, die Abrüstung, die dem Haag auf dem Fuße folgen muß, wenn Haag bestehen bleiben und vor der Geschichte Bestand haben soll. Ich sage das jetzt, weil ich mich später noch darauf berufen werde. Ähnlich wie im internationalen Maßstabe liegen auch die Verhältnisse in der Èechoslovakei. Trotz des Krakehls von rechts und links, trotz des tollen Treibens der Radikalisten und Katastrophenpolitiker aller Nationen haben wir den Mut, auszusprechen, daß wir, was im Haag unter der Einwirkung und Mitarbeit unserer reichsdeutschen und englischen Genossen geschehen ist, als einen wirklichen Fortschritt begrüßen. Wir sagen dies, obwohl auch bei uns die Arbeiterklasse dank ihrer Zerrissenheit und Zerfahrenheit den Großteil der Zeche zu tragen haben wird. Auch hier haben wir die feste Überzeugung, daß es uns gelingen wird, die großen Schwierigkeiten innerhalb der Arbeiterbewegung zu überwinden, den Konsolidierungsprozeß, der jetzt im Werden ist, zu beschleunigen und auch hier in Auseinandersetzung mit der kapitalistischen Klasse den Großteil der Last auf deren Schultern abzubürden. Aber auch davon abgesehen, halten wir das im Haag Errungene für durchaus nennenswert. Und wenn es uns dargestellt wird, wie es zweifellos in den halbamtlichen Darstellungen richtig ist, daß die übernommenen Verpflichtungen in der Èechoslovakei bei der Ablösung des österreichischen Staatsgutes 25 Milliarden Kè, die Befreiungstaxe von nahezu 5 Milliarden, in der Gesamtsumme aber 29 Milliarden nach dem Friedensvertrag und nach dem Beschluß der revolutionären Nationalversammlung - wenn ich nicht irre nach einstimmigem Beschluß dieser Körperschaft, in der wir nicht vertreten waren zu bezahlen waren und wenn nun jetzt Herr Dr. Beneš berichten kann, daß das übernommene Staatseigentum nicht bezahlt wird, daß der Anspruch der Erzherzoge nicht bezahlt wird, daß die Befreiungstaxe um mehr als die Hälfte, ja nahezu um zwei Drittel herabgesetzt wird und daß samt den Kriegsschulden an Italien und Frankreich im ganzen 2800 Millionen zu bezahlen sind, so haben wir doch eine Ermäßigung dieser Lasten um 90%. Ich will damit zum Ausdruck bringen, daß uns die Argumentation des Herrn Ministers, daß sie auf 4% gesunken ist, noch gar nicht geläufig ist. Der Herr Minister Doktor Engliš sagt, es mache das 1169 Millionen aus. Ja, wenn er es morgen hinlegt, kann es stimmen, da er es aber morgen nicht hinlegen kann, so stimmt auch das nicht, und nachdem diese Summe nicht stimmt, wird es auch mit den 4% hapern. Ich sage, wenn nicht auf 4%, wenn nicht um 96, sondern wenn es bei 10% bleibt und wenn es um 90% ermäßigt wurde, ist es ein Erfolg, dem wir unsere Anerkennung nicht versagen können und wollen. Freilich, 113 Millionen jährlich durch eine ganze Reihe von Jahren ist eine große Last. Es ist das keine Kleinigkeit. Für heuer, hat der Herr Finanzminister gesagt, nimmt er die Rate von der Post. Das wird aber nicht immer so bleiben können und es wird auch unser Budget mit diesen Posten dauernd belastet werden. Um zu verhindern, daß die Lasten neuerdings auf die Schultern der breiten Massen gewälzt werden, möchte ich bei dieser Gelegenheit das, was Koll. Dr. Winter nur angedeutet hat, konkret aussprechen, nämlich, wie wir uns die Lösung denken. Der Herr Minister hat in seinem Exposé mit Recht gesagt, daß sich das Verhältnis zu unserem südöstlichen Nachbar auf Grund der Lösung der Ostreparationen, die die schwersten Gegensätze hervorgerufen haben, bessern werde. Ministerpräsident Bethlen hat im ungarischen Parlament dasselbe erklärt. Wir nenmen an, daß dies der Fall ist. Damit aber glaube ich fällt einer der wichtigsten Gründe für die Èechoslovakische Republik zur Erhaltung ihres großen Militärapparates fort und es müßte bei dieser Gelegenheit verlangt werden, daß abgesehen von heuer die Haager Verpflichtungen aus Abstrichen aus dem Mihtärbudget zur Gänze getilgt werden. (Potlesk.)
Ich möchte mich mit wenigen Worten der Agitation, von der der Herr Minister gesprochen hat, zuwenden. Wir stehen nicht im Geruche, den Herrn Minister Dr. Beneš verteidigen zu wollen. Dazu sind die Gegensätze zwischen uns zu groß. Wir haben seine Politik, außer den von mir aufgezählten Punkten, immer bekämpft. Aber ich möchte mir folgende Frage stellen. Ich kann manchen Standpunkt verstehen, aber ich verstehe nicht den Standpunkt von èechischen Parteien und èechischen Politikern, die im Jahre 1919 weit größere Verpflichtungen übernommen und ihnen zugestimmt haben, während sie heute mit der Erklärung herausrücken, daß wir schlecht abgeschnitten haben. Das verstehe ich ganz einfach nicht. Ich halte diese Kritik von èechischer Seite für unberechtigt und unverständlich, wenn nicht andere als sachliche Motive einer solchen Kritik zugrundegelegt werden. Vom sachlichen Standpunkt aus glaube ich sagen zu können, daß sie dieses Recht zur Kritik an dem Haager Ergebnis schon deshalb nicht haben - und ich werde mit einigen Worten darauf zurückkommen weil sie ja früher ganz anders eingestellt waren. Sie haben einmütig die Verpflichtungen aus dem Friedensvertrag vom Jahre 1919 anerkannt und diese Verpflichtungen mit Dank an ihre Unterhändler Dr. Kramáø und Dr. Beneš zur Kenntnis genommen. Merkwürdiger Weise treten nun jene Kreise auf, um das Haager Übereinkommen zu bekämpfen. Ich will mich nicht in die èechische Polemik einmischen. Das ist Sache der èechischen Genossen und der èechischen Politiker. Es kann aber wohl nicht, unwidersprochen bleiben die Stellungnahme des Präsidenten der èechoslovakischen Friedensdelegation, des Dr. Kramáø in der Sitzung der revolutionären Nationalversammlung am 30. September 1919. Ich habe hier den betreffenden Bericht. Wir hören, daß Dr. Kramáø damals sagte: "Aber wir müssen bekennen, daß es nicht anders möglich war, als daß wir gewisse Opfer auf uns nehmen. Ich glaube, daß das nur gerecht ist und dem von niemanden widersprochen werden kann. Gehandelt wurde bei den Friedensverhandlungen in Paris wie in einem Konstantinopler Bazar. Ich will hier nicht alle Einzelheiten anführen, aber es blieb bei der Summe von 750 Millionen Goldfranken als Befreiungstaxe." Zu ähnlichen Ergebnissen ist Dr. Kramáø auch gekommen, als er in dieser Sitzung die Frage bezüglich der Entschädigung für die Staatsgüter behandelte, hier erklärte er, daß er zwar dagegen war, daß er dagegen gekämpft habe, es sei aber das Prinzip, das im Friedensvertrag angenommen wurde, daß nämlich die Staaten für alles übernommene Staatseigentum Reparationen zu leisten haben. "Das ist eine Sache, die überhaupt nicht logisch ist, weil wir das Staatseigentum schon längst bezahlt haben. Aber, sagte Dr. Kramáø weiter, alle Argumente nützten nichts, dieser Grundsatz wurde angenommen und wir sind verpflichtet, die Leistungen zu tragen." Am Schlusse erklärte Dr. Kramáø: "Wir müssen wirklich sagen, daß alle diese Dinge sehr schwer sind, daß wir damit schwer belastet werden, aber ich glaube, daß es uns gelinegn ist, eine finanzielle Katastrophe von unserer Republik abzuwenden." Ich betone, daß all dies geschah auf der Basis der Entscheidung von 29 Milliarden Kè und ich sage, daß im Gegensatz dazu bestenfalls nur 1500 Millionen zu bezahlen sind. Ich knüpfe daran die Frage: Woher kommt also die sachliche Kritik bei diesem Abschlusse? Jene Herren, die jetzt gegen das Haager Abkommen mit solcher Schärfe zu Felde ziehen, die Herren von der nationaldemokratischen Partei und von der Støíbrný-Seite, die ganze agrarische, nationaldemokratische und volksparteiliche Presse haben damals nicht nur geschwiegen, sondern dem zugest immt. Ihre Kritik muß jetzt als unernst und unsachlich bezeichnet werden.
Wichtiger als diese Diskussionen ist im Augenblicke die Beurteilung und ich möchte zunächst ein Wort über die politische Beurteilung der Auswirkungen von Haag sagen. In den nächsten Wochen beginnt im deutschen Reichstag die Debatte über den Young-Plan und es wird dort nicht an Kritiken fehlen, an Kritiken anderer Art als hier bei uns. Es wird dort wieder die Dolchstoßlegende aufleben, es werden die Hetzer von links und rechts am Young-Plan herumkritisieren und die Politik der deutschen Sozialdemokraten angreifen. Unsere Beziehungen werden sich aber zweifellos als Auswirkung der Haager Politik bessern. Wir lassen uns daher von dem Lärm von rechts und links, durch die Katastrophenpolitiker aller Klubs nicht irremachen. Wir wissen, wie der Wind weht und wo der Kampf der Nationalisten hinführen will, wir wissen, daß trotz Haag der Kampf noch lange nicht zu Ende ist, daß Haag nur eine Etappe, aber nicht den Abschluß bedeutet. Auch nach dem Haag ist die Welt voll Gefahren und der Osten voll Brandherde. Diese sind das richtige Probier und Manövrierfeld für den Fascismus, ohne dessen Niederwerfung es keinen Frieden in Europa gibt. Polen und der Balkan sind ständige Mene Tekel, ständige Mahnungen zur Wachsamkeit, ein ständiger Appell an die Arbeiter und vor allem an das internationale sozialistische Proletariat, alle Kräfte anzuspannen, um auch diesen Feind des Völkerfriedens so rasch als möglich niederzuwerfen, durch Sicherung des Siegeszuges des Sozialismus den Weg zur endgültigen Befreiung und Befriedung der Welt freizulegen.
In Konsequenz dieser unserer Stellungnahme
stimmen wir für die Kenntnisnahme des Berichtes des Ministers
des Äußern über die Ergebnisse vom Haag. (Potlesk.)
Meine Damen und Herren! Der Herr Außenminister hat in seinen ausführlichen Darlegungen zur Frage der sogenannten Reparationen und zur Haager Konferenz Stellung genommen und hiebei seiner eigenen Tätigkeit und seinen Fähigkeiten reichlich Selbstlob gezollt. Daß er dies tat, ist wohl hauptsächlich auf die scharfe Kritik zurückzuführen, die aus dem èechischen Lager heraus an seiner Tätigkeit geübt worden ist. Uns Deutsche interessiert diese Frage wohl weniger, schon aus dem Grunde, weil der Herr Außenminister gar nicht zu uns spricht, sondern seine Ausfüh rungen lediglich an die èechoslovakische Nation richtet. Wir sind für ihn vollständig Luft. Vor seiner Nation hat er freilich einen schweren Stand, denn sie hat sich eingebildet, von den Großmächten als ihresgleichen, als Siegernation gewertet zu werden, wozu allerdings die Befreiungsschuld nicht recht passen will. Sie ist und bleibt demütigend und es ist dabei vollständig gleichgültig, ob diese Befreiungsschuld hoch oder niedrig bemessen wird. Denn die Tatsache an sich bleibt demütigend. Darin geben wir den Èechen vollständig recht, nur meinen wir, sie sollten bei sich selbst Einkehr halten und daraus die Folgerungen ziehen.
Was uns Deutsche anbelangt, so sind wir in diesem Staate in Bezug auf das Zahlen freilich keine Null, sondern im Gegenteil eine Größe erster Ordnung, der Hauptsteuerträger, wie auch von èechischer Seite zugegeben wird, das steuerliche Ausbeutungsobjekt des Staates. Von diesem Standpunkte aus gesehen wäre die Herabsetzung der Zahlungen der Èechoslovakei sicherlich erfreulich, hätte sie nicht den unangenehmen Beigeschmack, daß letzten Endes ein anderer Teil unseres Volkes die Kosten tragen muß. Rein wirtschaftlich eingestellte Sudetendeutsche mögen anderer Meinung sein, wir aber fühlen uns als ein Teil der großen Schicksalsgemeinschaft, die sich deutsches Volk nennt (Potlesk.) und auf deren Rücken der Streit um die Höhe und Verteilung der Reparationen aufgetragen wird. Und das ist der eine Grund, weshalb uns das Ergebnis der Haager Konferenz nicht befriedigt.
Der zweite Grund liegt darin, daß sie weder in politischer, noch in wirtschaftlicher Hinsicht eine wirkliche Lösung darstellt. Herr Dr Beneš ist selbst so vorsichtig, nur von der wirtschaftlichen Liquidierung des Krieges zu sprechen, er weiß ganz genau, daß der Weltkrieg auch im Haag politisch nicht liquidiert ist, weil die Sanktionen geblieben sind. Dabei ist es ganz gleichgültig, daß die reichsdeutschen Erfüllungspolitiker, welche die Schöpfung Bismarcks auf den Hund gebracht haben, mit den Sanktionen einverstanden sind und es ist auch gleichgültig, ob dem Beginne der Sanktionen der Spruch eines internationalen Schiedsgerichtes vorangeht, denn ein absolutes Recht gibt es nicht und kann es nie geben. Recht und Macht sind zwei Dinge, die ursächlich zus ammenhängen und man kann schon im Vorhinein voraussehen, welchen Spruch das internationale Schiedsgericht fällen wird, wenn es von Frankreich etwa gegen das ohnmächtige Deutsche Reich angerufen werden sollte. (Sehr richtig!) Aber auch wirtschaftlich ist das Ergebnis der Haager Konferenz keine Lösung. Denn die Lösung ist doch so gefunden worden, daß ganz allgemein noch immer das französische Wort gilt: "Le boche payera tout," "Der Deutsche zahlt alles!"
Der Herr Außenminister hebt zwar das gewaltige Entgegenkommen hervor, welches die Gläubigermächte dem Deutschen Reiche erwiesen. Er verweist ausdrücklich auf die ursprüngliche Kriegsentschädigung, die mit 132 Milliarden Mark vorgesehen war. An dieser Höhe änderte auch der Dawes-Plan grundsätzlich nichts, in Wirklichkeit freilich bedeutete er eine Herabsetzung von 132 auf 50 Milliarden Mark. Denn die 2 1/2 Milliarden, die das Reich aus dem Titel des Dawes-Plans nunmehr Jahr für Jahr zu zahlen hatte, stellen ja tatsächlich bloß eine 5 % ige Verzinsung von 50 Milliarden dar. Das konnte in Ewigkeit so weitergehen. Wenn es aber zum Dawes-Plan kam, so lag die Ursache doch darin, daß man einsehen mußte, daß eine Forderung von 132 Milliarden heller Wahnsinn ist und daß sie niemals hereinzubringen sind. (Posl. Krebs: Insbesondere wenn man sie verzinst haben will!) Ganz richtig! Das ist ein glatte Unmöglichkeit, ein Irrsinn. Ich komme darauf noch zu sprechen. Aber auch der Dawes-Plan stellte sich nach den letzten vier Jahren als undurchführbar heraus. So kam es zum Young-Plan, der mit der Kriegsschuld von 132 Milliarden endgültig aufräumte und diese mit 38 Milliarden festsetzte. Aber diese Begrenzung ist rein fiktiv, denn in Wirklichkeit hat das Deutsche Reich ja nicht 38 Milliarden zu zahlen, sondern sie sind in Wirklichkeit wesentlich überschritten, weil man ja in den vorhergegangenen 11 Friedensjahren weit über 50 Milliarden aus diesem Deutschen Reich bereits herausgepreßt hat. Man wird mir zwar einwenden, daß ich bei Anführung dieser Zahlen die Verzinsung außer Acht lasse. Aber ich antworte: Was ist das für eine herrliche Wirtschaftsordnung, in welcher durch Zins und Zinseszins aus 38 Milliarden 114 werden? Dämmert nun nicht allen bürgerlichen, vor allem aber den sozialistischen Parteien, den Sozialdemokraten und auch den èechischen Nationalsozialisten, eine Ahnung auf, wer der eigentliche Sieger im Weltkrieg war? Es ist das Finanzkapital, welches das Kunststück zu Wege bringt, aus 38 Milliarden 114 zu machen. Diesem Finanzkapital haben die Vereinigten Staaten von Nordamerika unmittelbar, die Staaten der Großen und Kleinen Entente mittelbar zur Herrschaft verholfen. Herr Dr Beneš gibt das an zwei Stellen seines Berichtes unbewußt zu. Einmal, als er auf die ungeheueren Verpflichtungen Englands, Frankreichs und Italiens verweist, welche diese Staaten an das Land Wilsons haben. Dieser gebrauchte wohl ölige Phrasen von Freiheit, Humanität, Demokratie und dergleichen, aber er hat es dabei glänzend verstanden, seine Verbündeten zu rupfen. Die Èechen haben dem Präsidenten Wilson ein Denkmal gesetzt. Sie haben Straßen und Bahnhöfe nach ihm benannt. Dämmert ihnen nun eine Ahnung auf, wer dieser Professor Wilson eigentlich war? Daß er nichts anderes war als eine Puppe in der Hand gerissener Geldleute, denen der Krieg nichts anderes bedeutete, als ein gutes Geschäft?
Das sogenannte Reparationsproblem war nur durch eine Streichung sämtlicher Schuldverpflichtungen an die Vereinigten Staaten von Nordamerika zu lösen. (Posl. Krebs: Das heißt, an die Fina nzmagnaten!) Jawohl, an das Finanzkapital der Newyorker Wallstraße, denn dieses hat im Kriege und am Kriege so ungeheuer verdient, durch den Tod von Millionen Soldaten seiner Verbündeten, daß es diese Streichung recht gut vertragen hätte. Diesen Weg hätte man natürlich nur gemeinsam gehen können. Sämtliche Staaten Europas, angebliche Sieger und Besiegte, hätten gemeinsam von der nord amerikanischen Union die Streichung der Kriegsschulden fordern müssen. Damit und nur auf diesem Wege war das Reparationsproblem zu lösen. (Hlasy: Alle Probleme überhaupt!) Jawohl, sehr richtig! Diesen Weg beschritt man aber nicht; trotzdem der Halbjapaner Coudenhove-Kalergi schon seit Jahren sein Paneuropa propagiert und nahezu sämtliche Staatsmänner Europas ihm theoretisch zustimmen - insbesondere Herr Briand hat die Idee Paneuropas zu der seinigen gemacht - trotzdem standen sich im Haag die Sieger und Besiegten gegenüber. Die Herren Sieger wagten es nicht, gegen Amerika aufzumucken, sie lösten das Problem einfach so, daß aus dem Leibe des deutschen Volkes Striemen geschnitten wurden und daß dieses Volk zum Fronknecht der Welt gemacht wurde. Das ist die bewundernswerte Lösung, welche die Haager Konferenz gefunden hat. Daß die reichsdeutschen Erfüllungspolitiker, von den Demokraten über die Sozialdemokraten bis zu den frommen Zentrumsleuten, welche vergessen haben, daß Jesus die Wechsler aus dem Gotteshaus trieb und das Zinsnehmen verwarf, von dieser Lösung sehr befriedigt sind, nimmt uns nicht Wunder. Sie alle denken eben manchesterliberal. Es sind nur geringfügige Unterschiede, im Wesen sind alle durch die Bank manchesterliberal. Im Haag hat also der amerikanische Geldsack gesiegt. Darauf hat schon gelegentlich der Beratung des Goldwährungsgesetzes Herr Koll. Dr Rosche hingewiesen. Er hat erklärt, daß von nun an nicht mehr die Staatsmänner Europas Politik machen, sondern daß diese lediglich Sache des amerikanischen Finanzkapitals ist. Ich unterstreiche mit Vergnügen diese Äußerung des Koll. Dr Rosche, von dem man bei aller Wertschätzung, die wir seiner Person entgegenbringen, ausdrücklich feststellen muß, daß er seiner ganzen Auffassung nach keineswegs zu uns Hakenkreuzlern gehört. Aber auch der Herr Außenminister gibt die Stärke des westlerischen Finanzkapitals zu, indem er darauf verwies, daß die westeuropäische und man darf wohl hinzufügen, auch die nordamerikanische - Öffentlichkeit sich von Anfang an gegen die Bodenreform in den Staaten der Kleinen Entente, also auch in der Èechoslovakei, ablehnend verhielt. Dabei haben diese Staaten von den Praktiken des Bodenamtes keine Ahnung, weil auch wir kaum eine richtige Vorstellung davon haben, sondern es ist lediglich das Denken in Geld und Besitz, also das ausgesprochen kapitalistische Wesen der Staaten und Völker des Westens, der Angelsachsen sowohl wie der Franzosen, das zur Ablehnung derartiger Refo rmen führt. Die Tragik des Herrn Dr Beneš und auch des Präsidenten Masaryk besteht darin, daß sie ihr Volk der westlerischen Zivilisation und dem westlerischen Kapitalismus und damit dem Verderben in die Arme geführt haben.
Wir deutschen Nationalsozialisten können weder vom nationalen, noch sozialen, weder vom politischen, noch wirtschaftlichen Standpunkt aus im Ergebnis der Haager Konferenz eine Lösung der großen Probleme der Nachkriegszeit erblicken. Uns ist klar, daß der Weltkrieg die Katastrophe der abendländischen Zivilisation und jener Gedankenwelt des Liberalismus war, der die Völker und Staaten des Abendlandes seit der großen französischen Revolution beherrscht, eine Gedankenwelt, welcher nicht nur das liberale Bürgertum huldigt, sondern die auch die Sozialdemokratie und christlichsoziale Kreise ergriffen hat. Die Haager Konferenz hat die Herrschaft des Geldes in den Staaten des Abendlandes zum Siege geführt. Das Deutsche Reich hat Verpflichtungen in der Höhe von jährlich rund 2 Milliarden Mark übernommen, auf 58 Jahre hinaus. Daneben läuft eine Jahreszahlung von 1 Milliarde Mark aus der Verschuldung der reichsdeutschen Industrie an Amerika. Das macht 3 Milliarden Mark jährlich. Selbst wenn man die Lebenshaltung der 63 Millionen Menschen im Reiche bedeutend herabsetzt, was natürlich die Erniedrigung der Einkommen, die wahrscheinliche Einschränkung oder sogar Beseitigung aller sozialen Maßnahmen zur Folge hat, selbst dann läßt sich die Summe von drei Milliarden Mark nicht aufbringen. Die Folge wird, da die Schuld durch den Youngplan privatisiert worden ist, worauf der Herr Minister ausdrücklich hinwies, die vollständige Überfremdung der reichsdeutschen Wirtschaft sein. Zwei Drittel der reichsdeutschen Wirtschaft sind heute schon überfremdet. Die weitere Folge aber wird, da die fremden Besitzer aus den Betrieben herausholen werden, was nur möglich ist, auf Kosten der Arbeiterschaft und der ganzen Verbraucherkreise eine Herabsetzung des ganzen Lebensniveaus der schaffenden deutschen Menschen werden. Der Staat wird den fremden Besitzern im Interesse der Ruhe und Ordnung Bütteldienste zu leisten haben. Derartige Vorgänge ereignen sich jetzt schon Woche für Woche im Deutschen Reich. Ich war vor Kurzem im Chemnitzer Bezirk zu einer Reihe von Versammlungen und da konnte ich in der Nähe von Chemnitz, in Hartmannsdorf, sehen, daß die "Schupo" und alle Organe des Reiches und der Bundesstaaten ihre Hauptaufgabe darin sehen müssen, den Amerikanern und sonstigen Besitzern gegen die deutschen Arbeiter und Angestellten die Profitrate zu gewährleisten. Der Amerikanismus wird im Deutschen Reiche herrschende Lebensanschauung werden. Der staatssozialistische Gedanke eines Bismarck oder Freiherrn von Stein ist in den Hintergrund getreten. Das Deutsche Reich wird eine Sklavenplantage des amerikanisch-jüdischen Weltfinanzkapitals. Aber diese Entwicklung betrifft nicht das Deutsche Reich allein. Man darf sich keiner Täuschung hingeben, diese Entwicklung erfaßt auch andere Staaten. Ich unterstreiche nochmals die Äußerung des Herrn Dr Rosche, daß das amerikanische Finanzkapital von nun an die Politik Europas bestimmen wird, denn es wird in Europa unumschränkt herrschen. Herr Dr Beneš mag sich vorläufig zu dem Erfolg im Haag beglückwünschen lassen. Das dicke Ende wird nachkommen, das Schicksal geht seinen Weg. Zwei Millionen Arbeitslose im Deutschen Reich kennzeichnen diesen Weg, bald werden es weit mehr sein. Die Folgen bleiben nicht auf das Deutsche Reich allein beschränkt. Ganz Mitteleuropa, das der Herr Außenminister nun auf einmal entdeckt hat, wird sie zu tragen haben, vor allem aber auch sein Staat, der nun zu spüren bekommen wird, daß er nicht Nachbar Frankreichs, sondern Nachbar der Elendskolonie Deutsches Reich ist, und zwar unmittelbarer Nachbar, der die ganze Entwicklung dieses großen Staates mitzumachen haben wird. Der Herr Außenminister hat in seinen beliebten allgemeinen Redensarten von Mitteleuropa, mitteleuropäischen Problemen und einem ungeheueren Fortschritt in der mitteleuropäischen Politik gesprochen. Ist er sich über den Ernst und die Tiefe dieser Fragen klar? Ich bezweifle es auf Grund seiner rein westlichen Einstellung und seines Verhaltens in der Frage der Sanktionen schon vor Jahren. Bei dieser Gelegenheit darf man wohl gerade daran erinnern, daß der Herr Außenminister Dr Beneš im Jahre 1922 der größte Verfechter der Sanktionen gegen das Deutsche Reich gewesen ist.
Der Herr Außenminister beglückwünschte sich, seinen Staat und seine Bevölkerung dazu, daß sein Vaterland nicht zum Kriegsschauplatz geworden ist. Aber er und sein Volk haben die Tatsachen vergessen, auf die schon mein Klubkollege Knirsch im Haushaltsausschusse hingewiesen hat, daß es die braven Frontsoldaten, vor allem unsere deutschen Soldaten gewesen sind (Potlesk.), die die heutige Èechoslovakei vor dem Einbruch fremder Heere bewahrt haben, und wenn der Herr Außenminister die Frage aufwirft, was geschehen wäre, wenn beispielsweise Pilsen und Brünn besetzt worden wären, wieviel Schaden das verursacht hätte, so hätte er hinzufügen müssen: Dankt jenen, die das verhindert haben! Man hat ihnen auch gedankt. Aber wie? Dadurch, daß man sie zu einer Art Verbrecher erklärt und daß man ihre Rentenbezüge herabgesetzt hat, den anderen durch die Annullierung der Kriegsanleihe und den dritten durch Hinauswurf aus dem Staatsdienst. Aber alle Schuld rächt sich auf Erden. Auch diese Schuld wird sich einmal rächen.
Wir Deutschen sind ein staatsaufbauendes und staatserhaltendes Volk. Wenn der ernste Wille zum Aufbau Mitteleuropas vorhanden ist, so bieten wir auch unsere Hand dazu. Aber Dr Beneš und die Seinen müssen sich darüber im Klaren sein, daß ein Mitteleuropa ohne Deutsches Reich nicht möglich ist, und sie müssen sich auch darüber im Klaren sein, daß der Weg zu diesem Mitteleuropa über uns Sudetendeutsche führt, daß die Befriedi gung unserer Forderungen voranzugehen hat. Über die Einzelheiten dieser Frage will ich mich hier nicht auslassen, sie sind sowohl von mir, wie vom Koll. Krebs im Haushaltsausschusse dargelegt worden. Aber auch Mitteleuropa wäre nichts anderes als ein Staatenbund des Elends, wenn es nicht die Ketten der Geldherrschaft bräche. Ich knüpfe an die einleitenden Worte des Herrn Außenministers an, wornach die Haager Konferenz eine große Periode der europäischen und der Weltpolitik abschließt. Ich bin da ausnahmsweise einer Meinung mit ihm, freilich in einem Sinne, der weit entfernt ist von seinen Auffassungen. Herr Dr Beneš meint als Sohn des Liberalismus, daß ein Problem, das die Herren Sieger drückte, nun verwirtschaftlicht sei, nun auf das wirtschaftliche Geleise abgeschoben sei. Ich aber denke an die Unwägbarkeiten Bismarcks und an Oswald Spengler. Die Geldherrschaft ist auf die Spitze getrieben. Das bedeutet, daß ihr Ende nahe ist. Blut siegt über das Geld! Ich denke da durchaus nicht an einen neuen Weltkrieg - es braucht keine Beunruhigung einzutreten - sondern lediglich an eine neue Auffassung des Geldes und der Wirtschaft. Oder - sagen wir es richtig - an den Sieg der alten abendländischen Auffassung, wornach das Geld nicht Herr, sondern Diener der Wirtschaft ist.
Weil von der Bodenreform auch im Exposée des Herrn Außenministers gesprochen wurde, so kann man hier wohl dazu sagen, daß die Großgrundbesitzer an den Wandel der Dinge glauben mußten, wenngleich die Bodenreform in der Èechoslovakei, die der Herr Außenminister verteidigt, keine Reform im wahren Sinne des Wortes ist, weil sie nicht von den hehren Gedanken durchdrungen ist, daß der Boden keine Handelsware ist. Aber sind denn die Großgrundbesitzer die einzigen Kapitalisten, ist nicht das Finanzkapi tal viel mächtiger als sie, gehört ihm nicht schon nahezu alles, wird ihm nach der Ratifizierung des Haager Abkommens nicht restlos alles gehören? An dieses Finanzkapital - da braucht man kein Prophet zu sein - wird man sich weder in diesem Staate noch in einem anderen Staate Europas heranwagen.
Hier nun beginnt ein neuer Zeitabschnitt der Weltgeschichte. Die Ideen der französischen Revolution, in welchen Herr Dr Beneš genau so lebt, wie die reichsdeutschen Erfüllungspolitiker und der größte Teil der Angehörigen dieses Hauses, gehen zu Grabe. Das ist der Sinn der Haager Konferenz, und dieses Grab haben ihnen die Wilson, Clémenceau, Lloyd George und die Dr Beneš gegraben. Das nehmen wir mit dem Gefühl der Befriedigung zur Kenntnis, denn wir sind die Herolde einer neuen Zeit. Blut siegt über das Geld! Ich habe schon ausdrücklich betont, daß dabei niemand an einen neuen Weltkrieg denken müsse. Im Deutschen Reiche ist schon ein Nationalsozialist Minister geworden, vorläufig nur in einem kleinen Bundesstaate, bald aber werden auch größere darankommen, und die Tempelhüter einer falsch verstandenen, weil mit der Geldherrschaft verbundenen Demokratie müssen den Hakenkreuzler als Kollegen anerkennen. Sie werden sich daran und auch noch an verschiedenes anderes gewöhnen müssen, denn in der Politik gibt es kein "niemals". Und so erwarten wir, daß die Èechen nach dem Ergebnis der Haager Konferenz zu der Erkenntnis gelangen werden, daß ihre Freundschaft zu Frankreich und dem westlichen Kapitalismus ihnen nichts nützt, daß sie vielmehr Bestandteile von Mitteleuropa sind und aus dieser Tatsache die einzig richtigen Folgerungen zu ziehen haben, und sie können nur dahingehen, daß sie sich sagen, daß sie mit dem Deutschtum Europas auf Gedeih und Verderb verbunden sind und daß sie daher diesem Deutschtum sowohl in ihrem fälschlich als Nationalstaat ausgegebenen Staate, wie auch durch ihre Bündnis- und Wirtschaftspolitik Rechnung tragen müssen.