Pátek 18. listopadu 1921

Solche Blüten schicken Sie uns in unsere Gemeinden hinaus. Glauben Sie, damit werden Sie für Ihr Volk und für Ihre Nation Propaganda machen? In Neuprerau im selben Bezirk besitzt die Gemeinde zwei Schulgebäude. Eines wurde für die èechische Schule requiriert und das zweite für die Finanz. Das Finanzgebäude aber steht heute leer und über 100 deutsche Schulkinder müssen 5 Kilometer weit in der jetzigen Zeit laufen, um die Schule besuchen zu können. Nichts hat es bis heute genützt, daß man sich dafür einsetzte, daß das der Gemeinde gehörende, von der Staatsverwaltung nicht benötigte Gebäude für deutsche Schulzwecke zurückgegeben werde. In der deutschen Gemeinde Fröllersdorf wurde ebenfalls die deutsche Schule für die Èechen requiriert und die deutschen Kinder sind unterstandslos. Die Gemeinde wollte ihnen das Rathaus zur Verfügung stellen, um eine Privatschule unterbringen zu können. Sogleich wurde die Gemeinde von der Bezirkshauptmannschaft privat verständigt, daß in demselben Moment, wo dieser Beschluß gefaßt würde, dieses Gemeindehaus von amtswegen requiriert würde, zur Errichtung einer èechischen Bürgerschule. Meine Herren, bilden Sie sich ein, daß die Geduld unserer Leute niemals ein Ende hat, bilden Sie sich wirklich ein, mit diesen Mitteln den Willen unseres deutschen Südmährervolkes zu beugen? Sie werden Schande auf sich häufen, aber niemals einen Erfolg damit erringen! Und da will man uns sagen, daß die Überweisungen an die autonomen Behörden vielleicht bei uns eine besondere Freude auslösen sollten. Man kann jedwedes Ressort herausnehmen, es ist immer dasselbe, immer dasselbe.

Nehmen wir das Ackerbauministerium heraus. Betrieb und Erhaltung neuer und neu zu übernehmender Schulen - 2 Millionen. Ich möchte fragen - im Motivenbericht ist nichts enthalten - welches sind die neu zu errichtenden und welches sind die zu übernehmenden Schulen? Ist da die Schule in Feldsberg inbegriffen? Zweitens finden wir für die bestehenden Ackerbauschulen 4,216.000 ausgewiesen, für Forstschulen 1.2 Millionen, in der Slovakei für landwirtschaftliche Schulen 8.7 Millionen, also mehr als das Doppelte, für Forstschulen in der Slovakei 1.5 Millionen. Wo ist, meine Herren, die Landwirtschaft bedeutender, in Böhmen, Mähren, Schlesien oder in der Slovakei? Wo ist die Forstwirtschaft bedeutender, in den Sudetenländern oder in der Slovakei? Natürlich, wir verstehen es, die Forstwirtschaft in den erstgenannten Ländern liegt zum großen Teil in deutschen Händen, für die haben Sie nichts übrig. Aber, in die Slovakei, dorthin glauben Sie, müssen Sie mit vollen Händen das Geld werfen. (Posl. Zverec: To je proto, co vy jste zameškali!) Verehrtester, Herr Kollege, mir ist das gleich, ich spreche für mein Volk, Sie können sich für Ihr Volk einsetzen, aber, daß wir mit unseren Steuergeldern dasselbe Verhältnis heraufbeschwören, wie Österreich mit Bosnien, mit Dalmatien und Skandalizien, dazu sind wir nicht zu haben. Das deutsche Steuergeld für deutsche Belange und Sie, von der slovakischen Nation, tun Sie in der Slovakei, was sie wollen, genau so wie wir es den Èechen zubil ligen, sich selbst zu helfen und wenn sie Lust haben, auch Ihnen zu helfen.

Eine Steuer habe ich in dem Voranschlag nicht gefunden, die einem ein zigen Stand, einer einzelnen Klasse auf erlegt worden ist, das ist die Steuer, die uns Landwirten aus der Getreidewirt schaft aufoktroiert ist. Sie wissen, daß sích dieses Parlament hiebei zu keinem Gesetz aufschwingen konnte, daß es ge nügen mußte, daß eine Verordnung uns diese Wohltat bescherte. Diese Verordnung sah eine Erhöhung und eine Verminderung von 30 % des vorgeschriebenen Kontingentes vor und auf Grund dieser Vorschreibung haben sich unsere Landwirte ihren Wirtschaftsplan eingerichtet und sind zum großen Teil auch unsere Wirtschaftsvorräte verkauft worden. Wir hören heute, daß 60 % und mehr verlangt werden könnten und ich kann es nicht recht begreifen, wenn mein Herr Vorredner vorhin gegen die Regierung scharf machte, daß sie diese Verordnung erließ, eine Regierung, in der doch sein Klubgenosse Kollege Sontág selbst gesessen und mit ihr gearbeitet hat. Wir können heute diese Änderung nicht anerkennen, schon besonders deswegen nicht, weil die Belastung der deutschen Bezirke und Gemeinden eine unverhältnismäßig größere ist, als die Belastung der èechischen Gemeinden, weil es bei uns einfach unmöglich ist, wo wir frühere Ernte und früheren Drusch hatten, heute vielleicht auf der Börse das Getreide wieder zurückkaufen zu können. Denn darauf kommt es ja heraus. Sie werden sich doch nicht einbilden, daß der Landwirt sich mit 1000 Kronen strafen läßt, wo er die Möglichkeit hat, heute bei jedem Hebräer sich die Frucht wieder einzukaufen. Es ist Sache des Staates, er soll sich das Getreide beschaffen wo und wie er es bekommt, aber nicht uns diese separate Klassensteuer auferlegen, gegen die wir uns schon deshalb wehren müssen, weil wir in unserer jetzigen Wirtschaftslage nicht die Möglichkeit haben, Präsente von 25.000 Kronen pro Waggon dem Staate zu machen, und weil wir vor allem damit nicht einverstanden sind, wie das billige Mehl verteilt wird. Wer bekommt das billige Mehl? Bleibt der Eigenbedarf für die arme Bevölkerung im Dorfe zurück oder nicht? Seit Monaten ist die Verordnung in Rechtskraft und kein einziges Deka Mehl wurde bisher in den Landgemeinden der Bezirke Pohrlitz und Nikolsburg verteilt. Warum bekommen nicht auch die ländlichen Armen das Armenbrot? Wir haben es satt, für die reichen Industriellen gratis die Nahrung für ihre Arbeiter zu schaffen. Man muß es auch unseren länd lichen Arbeitern zubilligen. Früher werden wir uns mit dieser Ernährungswirtschaft niemals zufrieden geben.

Meine Herren! Es ist auch interessant, wie man hierzulande mit der Gersteaus fuhr verfahren hat. Wir wissen - und die meisten werden es ja eingestehen - daß wir bei einem Überschuß an Gerste dieses Produkt als Ausfuhrartikel betrachten und andere Artikel dafür eintauschen. Aber mit der Art und Weise, wie heuer die Ausfuhr der Gerste eingeleitet wurde, können wir nicht zufrieden sein. Dreimal war das amtliche Dementi in der Zeitung, daß die Gersteausfuhr nicht bewilligt wer den wird, und drei Tage nach dem letzten Dementi sind 1500 Waggons für die Aus fuhr bewilligt worden. Hat man hier in diesem Staate, in diesem Parlamente jeg lichen Sinn für Wohlanständigkeit verloren, daß man so etwas ruhig sich gefal len läßt? Die Vermutung liegt nahe, daß sich hinter den Kulissen Schiebungen voll ziehen können, die einfach von keinem de mokratischen und von keinem anständigen Parlament geduldet werden können. Alles das, was ich hier angeführt habe, sind bloß Stichproben. Wir haben nirgends eine richtige Kontrolle. Die Eigen mächtigkeit der Bürokratie hat überall die Möglichkeit sich auszuleben und wenn Korruption und Protektion sich einstellen, so ist es nur etwas selbst verständliches. Das Parlament ist zu einer Rednertribüne heruntergesunken, ohne Willen zur praktischen Arbeit, gewissenlos und der Ver antwortung nicht bewußt, daß das Recht der Kontrolle auch eine Pflicht bedeutet und die Herren der Mehrheit, die sich ent schließen, für diesen Staatsvoranschlag zu stimmen, der nicht einmal eine Be rechnungsbasis besitzt, gehören eigentlich auf die Anklagebank des Gerichtes.

Möge es übrigens die Mehrheit halten, wie sie glaubt, für uns von der Opposition liegt die Sache immerhin etwas anders. Erstens einmal aus prinzipiellen Gründen, als das stets wachsame Gewissen, das die Opposition darstellt in jedem Parlamente, müssen wir gegen eine solche schleuderhafte Arbeit auftreten. Und wir treten auch deswegen dagegen auf, weil vielleicht Ihre Vertrauensmänner, die Sie in den Bürokraten haben, uns fehlen. Wir verlangen vor allem deutsche Mitarbeit in sämtlichen Ämtern, vor allem aber auch in den Zentralämtern, deutsche Mitarbeit bei der Aufstellung jedes Staatsvoranschlages und wir verlangen Rücksicht auf die deutschen kulturellen und wirtschaftlichen Forderungen. Und nicht erst einmal haben wir diese Forderungen vorgelegt. Und erst wenn diese erfüllt sein werden, dann werden wir dem jetzigen Herrn Ministerpräsidenten Dr. Beneš das Recht zuerkennen, von Völkerversöhnung zu sprechen. Wir verlangen dieses Entgegenkommen von der èechischen Seite, weil wir uns der Verantwortung voll bewußt sind, für das Wohlergehen unseres Volkes zu sorgen. Und Sie, meine Herren, müßten es gewähren im Interesse Ihres Volkes und Ihres Staates. Zwei Jahre fruchtloser Arbeit werden bald vergangen sein und beide Völker sehnen sich nach Frieden, nach Arbeit und nach Neuaufbau. Gehen Sie nicht achtlos vorüber an der Tatsache, daß das deutsche Volk bisher die innere Kraft hatte, dem nationalen Bolschewismus zu widerstehen. Gehen Sie nicht achtlos vorüber daran, daß, wenn einmal Ruhe bei uns eintritt, es die Ruhe vor dem Gewitter sein wird. Bis jetzt wollten wir unser Volk zurückhalten und haben es auch zurückgehalten und meine Herren, wir waren eben gewarnt, durch das Beispiel, was die Agitation in Ihrem eigenen Volk in den letzten Jahrzehnten für Opfer gefordert hat, an moralischem Rückgrat und Sie haben es erleben müssen, Sie haben keine Steuerbegeisterung in ihrem Volke, keine Anleihebegeisterung und keine Kriegsbegeisterung trotz der angeblich gelungenen Mobilisierung. Denn die Mobilisierung ist erst dann gelungen, wenn der Krieg begonnen hat. Dann kann man ein Urteil fällen, aber niemals früher. Und ich möchte Ihnen nur das eine zu bedenken geben. Wir wollen den moralischen Verfall unseres Volkes, der mit der Agitation notwendigerweise verbunden wäre, solange als möglich hinausschieben. Zwingen Sie uns aber durch Ihr Verhalten weiter dazu, dann wird die passive Residenz des Volkes gegen Staat und Behörden einsetzen, dann wird sie einsetzen, ob wir wollen, oder ob wir nicht wollen und die Steuerverweigerung mit allen ihren Folgen, die Negierung des Staates, vom untersten Mann herauf, sie wird einsetzen. Wir wollen nicht den Kampf, wenn er zu vermeiden ist. Aber wir wissen, wenn er kommt, wir werden ihn überdauern im Bewußtsein unseres guten Rechts und im Bewußtsein unserer Kraft, im Bewußtsein, daß der nationale Gedanke sich im Volke draußen konsolidiert und immer mehr kräftigt. Im Bewußtsein alles dessen, stehen wir Gewehr bei Fuß, zu Krieg und Frieden bereit. (Souhlas a potlesk na levici.)

4. Øeè posl. dr. Lelleye (viz str. 516 protokolu):

Mélyen tisztelt hölgyek és urak! Fenntartva és ismételve ez alapon tett minden felszólalásom alkalmával elhangzott azon kijelentésemet, hogy azért, mert pártunkhoz tartozó szlováknyelvü polgártársaim a kormánynak egy erõszakos ténye miatt itt képviselve nincsenek, feljogosítva és kötelezve érzem magam szlovák nyelven beszélni és azért ezen a nyelven folytatom. (Øeèník pokraèuje slovensky.)

5. Øeè posl. dr. Jabloniczkého (viz str. 519 protokolu):

Verehrte Anwesende! In parlamentarischen Ländern wird die Vorlage eines Staatsvoranschlages sowohl seitens der Bevölkerung, wie auch seitens der Parlamentarier immer als politisches Ereignis erster Ordnung begrüßt. Das ist die beste Gelegenheit, alle Zweige des Staatslebens zu überblicken, eine gerechte Kritik an der Gebarung der Regierung zu üben.

Die Presse kann sich ebenfalls mit den Angelegenheiten des Staates befassen. Die Abgeordneten, beseelt von dem Gedanken des Fortschrittes, können die Lebensnotwendigkeiten des Staatslebens fördern, die Allgemeinheit wieder hat die Möglichkeit, auch das Niveau des Parlamentes abzumessen. Sobald aber bei uns ein Staatsvoranschlag vorgelegt wird, wird über die parlamentarische Redefreiheit die Zwangsjacke geworfen und diese Zwangsjacke und die Präsidentenpeitsche sollen über die Klippen und Schluchten einer eventuellen Regierungsmißwirtschaft hinweghelfen. Wir erklären offen, daß wir diesen Vorgang als eine an uns verübte Schmach empfinden, die unbedingt eine Verbitterung hervorruft, und dann wundert man sich, daß wir diesem Staate schwerlich eine sympathische Seite abgewinnen können, wo doch die Fehler nicht bei uns zu suchen sind. Das Kehren vor der eigenen Türe würde auch bei den Mehrheitsparteien ganz bestimmt von heilsamer Wirkung sein. Sie mögen es nur einmal ernstlich versuchen. Durch diese beschämende Klotüre bin auch ich gezwungen, mich nicht umfassend mit dem Staatsvoranschlage zu beschäftigen, sondern mich auf die Kritik von gewissen Regierungshandlungen und gewissen staatlichen Einrichtungen zu beschränken, die in Verbindung mit solchen politischen Ereignissen stehen, welche unsere Nerven stark belastet haben und für unsere Zukunft und unsere ethischen und materiellen Interessen unbedingt von nicht alltäglicher Bedeutung sind. Dazu rechne ich die Einmischung in die Thronfrage Ungarns, dann die Anordnung und Durchführung der Mobilisierung und zugleich auch jene Rechtsbeugungen, die bei uns alltäglich geworden sind und sich bereits zur Unerträglichkeit steigern.

Man hat die Mobilisierung offiziell da mit begründet, daß die Besteigung des ungarischen Thrones durch die Habsbur ger den Bestand des èechoslovakischen Staates gefährdet hätte. Die Beweise hie für ist man uns schuldig geblieben. So lange man uns diese Beweise schuldig bleibt, ist es ganz berechtigt, der Regie rungsbegründung gegenüber zu behaup ten, daß sie eine reine Erfindung ist. Wer kann wissen, ob sich nicht Habsburg mit dem ungarischen Throne begnügt hätte? Wer kann es wissen, ob ihnen nicht etwa ein èechischer Staat in irgendwelcher, sagen wir in einer Ententeform besser entsprochen hätte, und wer kann sagen, ob nicht gerade die Thronbesteigung drüben nicht der Anfang einer Entwick lung geworden wäre, bei welcher auch der èechoslovakische Staat auf seine gute Rechnung gekommen wäre. Solange diese Fragen nicht einwandfrei beantwortet werden, wirkt die regierungsbehördliche Begründung der Mobilisierung auf mich nicht überzeugend.

Es ist natürlich klar, daß, sobald in Ungarn die Habsburger den Thron bestie gen hätten und in irgend welche Berüh rung mit diesem Staate, sagen wir, wenn auch im Ententeverhältnis, gekommen wären, müßten und hätten müssen die jetzigen Machthaber unbedingt verschwin den. Es ist also der Gedanke nicht gar so unlogisch, daß, indem die Staatsgefährlich keit der Habsburger behauptet wurde, hiebei uneingestanden, aber ganz be stimmt wenigstens im Unterbewußtsein, die Angst um die Sicherheit der eigenen Existenz und die eigene Machtstellung mitgespielt hat. Denn diejenigen, die mit geholfen haben, die Habsburger zu ver treiben und ihre Güter zu konfiszieren, hätten sich und haben sich an den Fingern leicht ausrechnen können, daß sie in dem Moment, wo die Habsburger auch nur Nachbarn geworden wären, unmöglich wären. Eines muß man aber den gegen wärtigen Machthabern lassen, daß sie es ganz geschickt verstanden haben, die Angst um ihr eigenes Ich hinter die Behauptung der Staatsgefährlichkeit der Habsburger zu verstecken. Die Regie war ausgezeichnet und hat auch tadellos funktioniert. Wenn man die Mobilisierung von diesem Standpunkt aus betrachtet, dann ist auch der Tatsache leichter auf den Grund zu kommen, warum man sich in die Thronfrage Ungarns, also in eine fremde Angelegenheit, eingemischt hat, die nach Auffassung aller besonnenen Menschen eine innere Angelegenheit Ungarns war. Angst pflegt gewöhnlich die Entschlüsse der Menschen verwirrend zu beeinflussen, und so ist es auch zu erklären, daß die Machthaber des Staates in einer sonst ganz klaren Angelegenheit eine ganz andere Auffassung zur Schau getragen haben, als alle sonstigen Menschen, die von der Angst nicht gepeinigt waren. Die Thronbesteigung der Habsburger in Ungarn hätte ja Österreich mit viel mehr Begründung für sich als gefährlich erklären können, und trotzdem hat Österreich den korrekten Standpunkt eingenommen, daß die Krönungsfrage Ungarns eine innere Frage des Landes ist und daß sich die österreichische Regierung erst dann mit dieser Angelegenheit befassen wird, wenn die Lösung der Thronfrage in Ungarn irgend welche Auswirkungen auf Österreich haben wurde. Nur eine solche Haltung ist vom Standpunkt des internationalen Rechtes korrekt und ich beklage als Parlamentarier, daß man dem internationalen Recht mit einer ganz unstichhältigen Begründung Abbruch getan hat. Eines sollte man bei internationalen Fragen und insbesondere im Verhältnis zum Nachbarstaate nicht vergessen, daß nämlich der eigene Staat auch einmal in Situationen gelangen kann, in welchen eine gutnachbarliche Korrektheit not tun würde. Durch solche Handlungen, wie sie sich vor unseren Augen abgespielt haben, wird sich der èechoslovakische Staat diese nachbarliche Korrektheit nie erwerben. Und doch hätte er speziell in concreto auf diesen Umstand bedacht sein müssen, weil er über 1 Million Ungarn zu seinen Staatsbürgern zählt. (Souhlas na levici.)

Bei den zutage getretenen Auffassungen über das internationale Recht muß die Frage erlaubt sein, wie sich der èechoslovakische Staat einer solchen Ansicht gegenüber verhalten würde, wenn es irgend einem Staate, sagen wir einem Nachbarstaate, einmal einfiele, zu fordern, daß die republikanische Staatsform ihm nicht entspreche und ihm nicht gefalle, daß ihm diese Staatsform und ein bestimmter Prä sident für seinen Bestand äußerst gefähr lich erscheine und er hier, sagen wir, eine Monarchie verlangen würde. (Sehr gut!) Ich bin überzeugt und bin absolut nicht im Zweifel, daß man einstimmig aufschreien würde, daß dies eine ungebührliche Ein mengung in die inneren Verhältnisse des èechoslovakischen Staates wäre. Aber, quod uni justum, alteri aequum. Ich habe damit nur beweisen wollen, welch schlech te Dienste die jetzigen Machthaber dem Staate erwiesen haben, indem sie sich in fremde Angelegenheiten mengten. Schon diese Betrachtungen ergeben den einzig richtigen Schluß, daß die Mobilisierung nicht nur ein Fehler, sondern ein Mißgriff war. Um so größer jedoch erscheint der Mißgriff, als es Tatsache ist, daß, als man die Mobilisierung angeordnet hat, Karl Habsburg sich bereits in der Gewalt der ungarischen Regierung befand und somit die Bedrohung des èechoslovakischen Staates bereits beseitigt war. Hat man aber trotzdem die Mobilisierung angeordnet, so muß man bestimmt noch andere Ziele ver folgt haben. Und bald sprang der Hase aus dem Busch heraus. Man stellte Forderun gen. Ich erwähne nur die wichtigsten: Ungarn müsse durch die èechoslovakische Wehrmacht entwaffnet werden, Ungarn müsse das Burgenland räumen, die Èechoslovakei müsse Sanktionen erhalten, indem sie die Kohlengruben von Salgo-Tarjan und das staatliche Becken von Diosz-Györ, und Serbien die Kohlengruben von Mohacz auf 12 Jahre besetzt, und Ungarn müsse die Kosten der Mobilisierung bezahlen; mit einem Wort, man hat unter dem Vorwand der Staatsgefährlichkeit der Habsburger ein kleines Land auf ewig versklaven wol len, ähnlich jenem Beispiel, welches sich Frankreich Deutschland gegenüber gelei stet hat. (Souhlas na levici.) Und all dies unter der Maske der Demokratie. Wie Minderheiten protestieren lebhaft gegen eine solche Interpretierung der Demokratie, gegen wen immer auch sie gerichtet sein mag. Aber man ist noch weiter gegangen. Es sickerte bald durch, daß man in Unterhandlungen steht mit Abenteurern, die man für den Fall des Einmarsches in Ungarn als "demokratische Regierung" installieren wollte, woraus man auf den festen Entschluß schließen kann, daß der Einmarsch nach Ungarn bereits beschlossen war. Es war aber auch in den èechischen Kreisen ein offenes Geheimnis, daß man einmarschieren wird, und in diesen Kreisen sprach man sogar vom Tag des Einmarsches und èechische Mütter haben bereits Tränen für die einmarschierenden Söhne vergossen. Da geschah aber auf einmal ein Wunder. Der Großen Entente war diese zutage getretene imperialistische Begehrlichkeit zu bunt geworden, sie machte sofort Ordnung in der politischen Kinderstube, die ungeberdigen Fratzen wurden in den Winkel gestellt, die Entente hat Halt geboten. Wir Minderheiten haben schon öfters behauptet, daß es dem èechoslovakischen Staat infolge der Mängel bei seiner Geburt an der vollen Souveränität mangelt. Wir sind natürlich nicht beachtet worden. Jetzt ist es aber eine feste Tatsache, daß sich der Staat nur soweit rühren darf, als es seine Schöpferin, die Große Entente, gnädig erlaubt. Der Traum der unverfälschten Souveränität muß hiedurch als ausgeträumt bezeichnet werden. Die brutale Tatsache der unbegrenzten Abhängigkeit von der Gnade der Großen Entente ist durch eine argumentatio ad oculos bereits bewiesen. Sonderbarerweise hat man die Tatsache sofort, aber in sehr merkwürdiger Weise, liquidiert. Man erklärte kleinlaut, alles nur im Einvernehmen mit der Großen Entente lösen zu wollen, und man verzichtete auf einmal auf den Einmarsch, man verzichtete auf die Sanktionen, auf das Burgenland und sogar auf die Kosten der Mobi!isierung. Das muß man den Èechen lassen, daß sie als Masse politisch gut diszipliniert sind, denn sie haben diesen Schlag ohne Murren aufgenommen, aber der èechische Falke ist an einem seiner Flügel verwundet aus dieser Affäre herausgekommen und er kann nicht mehr so fliegen, wie er sich es vorgestellt hat. Und es ist bitter, aber aucg die Èechen haben es an ihrem eigenen Körper erfahren müssen, daß die Welt sich nicht so dreht, wie sie sich es in ihren Köpfen vorstellen. Es gehörte natürlich in der Vergangenheit keine Kunst dazu, daß Beneš als Minister des Äußern Erfolg auf Erfolg häufte, solange diese Erfolge dem Interesse der Großen Entente dienten. Die Kunst fand sofort ein Ende, als diese ersehnten Erfolge die Interessen der Großen Entente gekreuzt haben und Herr Beneš hat sich wie der betrogene Ehemann in der Anekdote mit dem Hinauswurf des Kanapees, mit dem Hinauswurf der Habsburger, begnügen müssen. (Veselost na levici.) Damit, glaube ich, bewiesen zu haben, daß sich die Einmischung in frem de Angelegenheiten sehr gerächt hat, da der Staat aus der Habsburger-Affäre we nigstens nicht gestärkt hervorgegangen ist und da sich zu diesem politischen Katzenjammer auch noch die Bezahlung der Mobilisierungskosten hinzugesellt hat. Wer die Gerichtsspesen zu bezahlen hat, der hat den Prozeß verloren. Der Anwalt war Herr Beneš, die natürliche Folge der schlechten Führung des Prozesses, wie sie zutage tritt, muß zur Folge haben, daß man sich um einen anderen Anwalt um schauen muß. Und eine glücklichere Hand täte wirklich not. Mit welch ungenügender Kenntnis der Prozeßlage, wenn ich mich so ausdrücken darf, die Abwehr gegen die Habsburgergefahr in Gang gesetzt und abgewickelt wurde, wird erst an den Fol gen abgemessen werden. Man hat eine Schwächung Ungarns durch die Mobilisie rung und die Aufwerfung der Frage der Staatsgefährlichkeit der Habsburger be zweckt, aber wer kann behaupten, daß Ungarn aus dieser Affäre geschwächt hervorgegangen wäre? Im Gegenteil. Ande rerseits läßt sich auch aus der ungarischen Geschichte, die auf sehr viele Jahrhunderte zurückgreift, die Vermutung begründen, daß, wenn man die Habsburger-Affäre in Ungarn hätte ausleben lassen, es höchst wahrscheinlich zu einem Bürgerkrieg zwi schen dem Adel und dem Bauerntum ge kommen wäre. Durch den äußeren Zwang der Absetzung der Habsburger ist Ungarn dieser Gefahr entgangen und wäre ich ungarischer Staatsbürger, ich würde viel leicht der Versuchung erliegen, dort zu beantragen, irgendein Monument von sei nem Sockel abzutragen und an dessen Stelle ein Monument dem Herrn Beneš und als allegorische Nebengruppe seine Berater zu stellen, denn seit Trianon hat merkwürdigerweise Herr Beneš und seine Berater dem ungarischen Staat den größten Dienst erwiesen, indem sie den Staat vor dem Bürgerkrieg bewahrt haben. Es trat aber auch eine ganz andere Er scheinung zutage. Rumänien mobilisierte nicht, es erklärte sich nur mit dem einver standen, was die anderen tun. Auch Italien hat im Jahre 1914 nicht mobilisiert, obwohl es ebenfalls im Dreibund war. Wie die wei tere Entwicklung der Haltung Italiens war, ist ja bekannt. Tatsache ist, daß es mit dem Dreibund nicht marschiert ist und ich überlasse es der Phantasie eines jeden von Ihnen, sich auszumalen, ob in diesem Falle Rumänien mitmarschiert wäre oder nicht. Das Verhalten Rumäniens kann auf zwei Gründe zurückgeführt werden: Entweder war es besser beraten und hat von dem Entschluß der Entente bereits Kenntnis genommen zu einer Zeit, als es die Èechoslovakei und Jugoslavien nicht konnten, oder aber hat Rumänien schon andere Pläne, bei welchen es die Kleine Entente ba gatellisieren zu können glaubte. Aber die Èechoslovakei ist nicht arm an Auskunfts mitteln. Um das Hineindringen des Was sers in die leckgewordene Kleine Entente zu verhüten, hat man Polen hergeholt. Und wenn dies auch nicht das Schifflein tadellos wiederherstellen kann, ist es als Ersatz doch oder scheint wenigstens ge nug respektabel, trotz Teschen und eini ger anderer Geschichten. Ich stelle mir abcr die Möglichkeit vor, daß ei nmal auch Serbien oder Polen versagen könnte oder müßte. Für diesen Fall ist aber vorläufig kein Schutz da, höchstens das ägyptische Traumbuch, denn im ägyptischen Traum buch bedeutet die große Angst 90. Was müßte aber bei der gro ßen Not sein, die bei uns herrscht? Es müßte wenigstens 99 sein. Dann kommt aber ein Vacuum, ein Nichts, und das sollte zu denken geben. Denn Politik ist die Kunst, Gefahren vorzubeugen, welche sich eventuell erge ben können. Alle Versuche, den Staat durch Verträge zu schützen, müssen un vollkommen bleiben, weil alle bisherigen Verträge nicht auf der Natürlichkeit der Verhältnisse basiert waren. Die Völker standen hüben und drüben abseits. Nur das natürlichste geschah nicht, die Be friedigung der eigenen Bevälkerung. Es nützt einmal nichts: Ein Staat mit so ver schieden gearteter Bevölkerung, wie der èechoslovakische Staat, läßt sich nicht mit mittelalterlichen Mitteln aufbauen. Ich kann mir bei der bekannten Mentalität unserer Beherrscher lebhaft vorstellen, wie schwer es ihnen angekommen sein mag, festzustellen, daß alle Bevölkerungsschichten und alle Nationalitäten bei der Mobilisierung ihre Pflicht getan haben. Die Dankbarkeit folgte auch sofort auf dem Fuße, indem man einen künstlerischen Schmuck der Stadt Preßburg in einer unbeschreiblichen Weise entfernte, was äußerst beschämend ist, zumal es unter der Patronanz der Behörden geschehen ist. Daß dem revolutionären Petöfi, resp. seinem Denkmal nicht dasselbe passiert ist, ist nur dem Umstande zu verdanken, daß die Behörden es auf sich nahmen, es abzutragen.

Es ist hier Sitte, wenn man etwas geißelt, was dem Geschmack der herrschenden Richtung nicht entspricht, daß man gleich als Feind der Republik verschrieen wird. Auch diesmal wird es mir höchstwahrscheinlich passieren, obwohl ich die Zerstörung eines Kunstwerkes nicht deshalb beklage, weil es eine Person dargestellt hat, sondern weil es ein Kunstwerk an sich ist. Wenn die Minderheiten ihre Pflicht bei der Mobilisierung getan haben, dann ist die Forderung, auch unser Recht anzuerkennen, ein Gebot der Ehre. Oder soll in uns der Glaube erzeugt werden, daß wir nur das Recht haben, für die Republik zu sterben? Ein Jammern oder ein Anbiedern wäre nicht männlich. Pflichterfüllung muß Rechte bringen. Eines bleibt sicher, daß moderne Staaten nur auf den Gefühlen der Zufriedenheit basieren und dauernd erhalten werden können.

Wir haben die Empfindung, daß das èechische Volk, vielleicht durch die Größe des Sieges verwirrt, was ja leicht erklärlich wäre, sich in einem Traumzudtande befindet und die Wirklichkeit demzufolge nicht begreifen konnte. Wenn die nach der jün gsten Mobilisierung sich abspielenden politischen Ereignisser es nicht vermocht haben, das èechische Volk in die wahre lebendige Welt zurückzurufen, so wäre dies vom Geschichtspunkte der Ehre des èechischen Volkes zu beklagen. Wir Minderheiten haben unser Möglichstes getan, um die èechische Nation über die tatsächlichen Verhältnisse aufzuklären. Wenn dies alles nichts genützt hat, dann wird dieser Staat früher sterben, als ihm dies nach dem Naturgesetz geschehen würde.


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